berlinerleben 1/20
Ich war geschockt. Wollen die etwa, dass ich ausziehe? _ Lena Landauer fühlt sich wieder sicher in ihrer Wohnung. _ Die MieterInnen haben mit Plakataktionen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. rufler, Angestellte, KünstlerInnen und Senior Innen. Manche leben seit Jahrzehnten in dem Haus. „Hobrecht 59“ heißt die Gemeinschaft nun und geht an die Öffentlichkeit. Die MieterInnen hängen Transparente an die Balkone. „Mieter schützen, Vorkaufsrecht nutzen“ oder „Nö!“ steht auf großen Plakaten. Alle helfen mit. Ein Fotograf dokumentiert das Geschehen, die Event-Manage- rin weiß, wie man ein Hoffest organisiert. Einige MieterInnen beschließen, im Falle eines Vorkaufs freiwillig etwas auf die Miete zu legen. Am 29. Mai hatte die Gewobag über den Be- zirk das Vorkaufsrecht ausgeübt. „Mit dem Ankauf sichern wir bezahlbaren Wohnraum in der Mitte Berlins“, sagt Markus Terboven, Vorstandsmitglied der Gewobag. Für die MieterInnen ist das Ban- gen vorbei. Für die Gemeinschaft hat die Zeit der Ungewissheit auch Gutes bewirkt. „Wir sind zu- sammengewachsen“, sagt Maik Elshof, Mieter der Hobrecht 59. „Früher grüßte man sich vielleicht im Treppenhaus. Durch unsere Initiative sind wir zur Gemeinschaft geworden, die die gemeinsame Geschichte und unser Erfolg verbindet.“ der Bezirk die Möglichkeit, es zu den gleichen Bedingungen zu erwerben und hierfür einen Dritten zu benennen. Ihr Schicksal können die BewohnerInnen nur noch abwenden, wenn eine der städtischen Wohnungsbaugesellschaften das Haus erwirbt. Dafür wollen sie sich einsetzen. „In zwei Monaten läuft die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts ab. Aber eine Garantie für Er- folg gibt es nicht!“, warnt Biedermann. Der Bezirk wendet sich an die Gewobag. „Wir können jedoch nur in den Kaufvertrag eintreten, wenn der Er- werb wirtschaftlich darstellbar ist“, sagt Inger Giwer-Gaul, Leiterin Portfoliomanagement der Gewobag. „Manchmal sind die Mieter dazu bereit, etwas mehr Miete zu bezahlen, um eine mög- liche Lücke zu schließen.“ Aber das müssen die MieterInnen unter sich ausmachen. Zehn Häuser hat die Gewobag seit 2015 auf diese Weise gekauft. Die Mietergemeinschaft kal- kuliert ihre Chancen und hat eine Menge Fragen. Wer ist dieser Investor? Zu welchem Preis hat er unser Haus gekauft? Wie hoch sind die Mietein- nahmen? Wie hoch die Instandhaltungsrückla- gen? Mit vielen Unbekannten lässt sich eine Wirt- schaftlichkeit schlecht nachweisen. Nach Einblick ins Grundbuchamt weiß man immerhin den Na- men dieses Käufers. Ein Klick auf dessen Webseite macht misstrauisch. „Wir möchten einzigartige Appartements für außergewöhnliche Personen gestalten“, heißt es dort. Wer ist schon „außergewöhnlich“? Das Beson- dere an der gegenwärtigen Mieterschaft ist die bunte Mischung von Milieus, Ethnien und Le- bensentwürfen, die sich unter einem Dach ver- eint. Hier wohnen Familien mit Kindern, Freibe- NEUKÖLLN LEBEN IN BERLIN FOTOS: Hobrecht59 (2), Harry Schnitger (Bild o. re.), berlinerleben 7
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