angemessen evaluieren, damit bis
herige Erfolge sichtbar sind – aber
auch das, was noch getan werden
muss. Deswegen freut es mich, dass
die DGUV einen weiteren Aktionsplan
aufgestellt hat. Ich hoffe, andere Insti
tutionen folgen diesem Beispiel.
Wo sehen Sie auf dem Weg zu einer
inklusiven Gesellschaft besondere
Herausforderungen für die Zukunft?
Wo müssen wir noch besonders
anpacken?
Es geht immer noch um Veränderun
gen im Denken der Menschen. Denn
bei Inklusion geht es nicht um eine
bessere Lebenssituation für wenige,
sondern um eine höhere Lebensqua
lität für alle Menschen. Ich meine Er
leichterungen des Alltags für jeder
mann: Die Mutter mit Kinderwagen
profitiert vom barrierefreien Zugang
in die Bahn ebenso wie der gehbe
hinderte Mann. Dem seit Kurzem in
Deutschland lebenden Migranten nüt
zen Informationen in Leichter Spra
che, ohne Fremdwörter und lange
Sätze, genauso wie demMenschen mit
Lernschwierigkeiten. Und das Telefon
mit extragroßen Tasten ist für jeman
den mit einer Spastik gut – und für je
manden, dessen Finger altersbedingt
zittern, auch. Ich möchte, dass immer
schon von Anfang an alle Menschen
mit ihren verschiedenen Bedürfnissen
bedacht werden. Dass also Produkte,
Gebäude und digitale Angebote vo
rausschauend so geplant werden, dass
sie für alle zugänglich sind.
Welche Weichenstellungen muss
die Politik aus Ihrer Sicht noch
vornehmen?
Ich möchte gerne, dass die Bedürf
nisse von Menschen mit Behinderun
gen bei jedem Gesetz stets mitbedacht
werden. Disability Mainstreaming
ist der englische Fachbegriff hierfür.
In der Praxis würde dies heißen, un
liebsame Überraschungen zu vermei
den, bei denen erst nachträglich klar
wird, dass beispielsweise die elektro
nische Steuererklärung für Menschen
mit Sehbehinderungen eine echte
Hürde darstellt.
Im Rahmen der Inklusionstage 2015
hat auch das Bundesministerium für
Arbeit und Soziales den Arbeitsent-
wurf des Nationalen Aktionsplans
(NAP 2.0) vorgestellt mit 120 weite-
ren Maßnahmen zur Umsetzung der
UN-Behindertenrechtskonvention
(UN-BRK). Warum ist diese Weiter-
entwicklung wichtig?
Weil es immer etwas zu tun gibt!
Wir sind noch lange nicht dort ange
kommen, wo wir hinwollen und -müs
sen. Ein Erhalt des Status quo wür
de bestenfalls Stagnation bedeuten.
Der NAP 2.0 ist ein wichtiges Instru
ment, um die Umsetzung der Konven
tion und die Umsetzung der Forderun
gen aus Genf in allen Politikfeldern
national weiter voranzutreiben. Das
macht seine Weiterentwicklung un
erlässlich. Würde er nicht weiterent
wickelt, bestünde zudem die Gefahr,
dass das Bewusstsein für die behin
dertenpolitische Agenda nachlässt.
Durch eine Zusammenstellung der na
tionalen Maßnahmen kann außerdem
gut nachvollzogen werden, in welchen
Bereichen noch Handlungsbedarfe
bestehen. Wichtig ist auch, dass Men
schen mit Behinderungen und ihre
Interessenvertreter am Entwicklungs
prozess beteiligt sind.
Neben der Fortentwicklung ist aber
auch das fortwährende Monitoring
ein wichtiger Bestandteil des Natio
nalen Aktionsplans. Dadurch kann
in einer Rückschau beurteilt wer
den, welche Maßnahmen wirklich zur
Umsetzung der UN-BRK in Deutsch
land beitragen konnten. Das hilft
natürlich dabei, zukünftige Maßnah
men noch passgenauer und effekti
ver auszugestalten und die gewonne
ne Erfahrung bei der Fortschreibung
einfließen zu lassen.
„Es geht immer noch
um Veränderungen
im Denken der
Menschen. Denn bei
Inklusion geht es
nicht um eine bessere
Lebenssituation für
wenige, sondern
um eine höhere
Lebensqualität für
alle Menschen.“
Teilhabe möglich machen
DGUV Jahrbuch 2015/16
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