Digitaler Wandel
in der Arbeitswelt
ANDREA NAHLES
Bundesministerin für Arbeit
und Soziales
W
ie werden wir in Zukunft ar
beiten? Diese Frage prägt
derzeit Politik und Öffent
lichkeit. Denn Digitalisierung, neue
Ansprüche an Arbeit und der demo
grafische Wandel werden unsere Ar
beit nachhaltig bestimmen. Auch das
Bundesministerium für Arbeit und
Soziales hat den digitalen Wandel
in der Arbeitswelt zu einem Schwer
punktthema erklärt und im April
2015 den Dialogprozess Arbeiten 4.0
ins Leben gerufen. Ziel ist es, im Di
alog mit Unternehmen, Beschäftigten
und Politik die Herausforderungen
und Gestaltungsmöglichkeiten in der
künftigen Arbeitsgesellschaft auszu
machen. Im Interview nimmt die Bun
desministerin für Arbeit und Soziales
Andrea Nahles Stellung zu den Her
ausforderungen der Arbeitswelt von
morgen.
Frau Ministerin, mit der Veröffent
lichung des Grünbuchs „Arbeiten 4.0“
haben Sie im Jahr 2015 einen wichti-
gen Dialogprozess zur Zukunft der Ar-
beit gestartet. Was erhoffen Sie sich
von dieser Initiative?
Die Arbeitswelt wandelt sich rasant
durch die Digitalisierung und gesell
schaftliche Veränderungen. „One size
fits all“: Diese Denke von gestern passt
nicht mehr in die moderne Arbeits
welt. Wir müssen neuen Anforderun
gen und Ansprüchen von Beschäftig
ten und Arbeitgebern gerecht werden.
Deshalb habe ich den Fortschritts
dialog Arbeiten 4.0 gestartet. Wir ha
ben dazu im Jahr 2015 das Grünbuch
„Arbeiten 4.0“ vorgelegt, das die zen
tralen Fragen beschreibt. Zum Bei
spiel: Welche Veränderungen sehen
wir in der Wirtschaft und welche Aus
wirkungen hat das etwa für die soziale
Sicherung, für die Qualifizierung und
das Arbeitsrecht? Hierzu führen wir
Workshops mit Experten durch und
suchen auch den Dialog mit den Bür
gerinnen und Bürgern zum Beispiel
mit unserem deutschlandweiten Film
festival Futurale.
Die Ergebnisse des Dialogs flie
ßen ein in ein Weißbuch zu den
Gestaltungsoptionen für die Arbeits
welt 4.0, das ich Ende 2016 vorlegen
werde. Mein Anspruch ist, dass das
Weißbuch als Blaupause für die Ge
staltung der Arbeitswelt der Zukunft
dient.
Können Sie jetzt schon umreißen, was
aus Ihrer Sicht die größten Heraus
forderungen der neuen Arbeitswelt
sein werden?
Bildung und Qualifizierung sind der
Schlüssel für den Erfolg von Unter
nehmen und Beschäftigten. Die Ar
beit wird uns durch die Digitalisie
rung nicht ausgehen, aber wir wissen,
dass sich die Tätigkeiten der Beschäf
tigten in Zukunft stark ändern. Vie
le Menschen werden neue, komple
xere Aufgaben übernehmen müssen.
Soziale Kompetenzen werden im
mer wichtiger, denn die können wir
nicht automatisieren. Darauf müssen
wir die Menschen vorbereiten. Das
ist die gemeinsame Aufgabe von So
zialpartnern und Politik. Wir müssen
die Aus- und Weiterbildung gemein
sam so weiterentwickeln, dass Men
schen mit fehlenden Qualifikationen
neue Chancen finden und die Unter
nehmen auch in Zukunft die richtigen
Fachkräfte haben.
INTERVIEW
DGUV Jahrbuch 2015/16
42
Zukunft der Arbeit




