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Große Freiheit oder Selbstgefährdung?

Literaturstudie zur Tele-(Heim-)Arbeit fasst den Forschungsstand zusammen

Wie belastet sind Beschäftigte?

Eine Studie untersucht Beanspruchungsfolgen durch ständige

Erreichbarkeit und liefert erste Präventionskonzepte

Die technische Entwicklung ver­

leiht der Tele-(Heim-)Arbeit auch in

Deutschland Rückenwind: Durch mo­

derne Informations- und Kommunika­

tionstechnologien könnten Beschäftig­

te ihre Arbeitsleistung auch außerhalb

der Betriebsstätte ihres Arbeitgebers

erbringen. Während Teleheimarbeite­

rinnen und -arbeiter ausschließlich in

der eigenen Wohnung tätig sind, wird

bei der alternierenden Telearbeit ab­

wechselnd in der Wohnung und beim

Arbeitgeber gearbeitet. Mobile Tele­

arbeit wird im Außendienst prakti­

ziert: Dabei wird die Arbeit an wech­

selnden Arbeitsorten durchgeführt.

Abgesehen von rechtlichen Aspekten

stellt sich bei der Gestaltung von Te­

le-(Heim-)Arbeitsplätzen die Frage

nach den Auswirkungen für die Ge­

sundheit und das Wohlbefinden der

Beschäftigten. Das Institut für Ar­

beit und Gesundheit der DGUV (IAG)

in Dresden hat sich im Rahmen ei­

ner Literaturrecherche mit den Chan­

cen und Risiken dieser Arbeitsform

befasst. Den damit verknüpften po­

sitiven Effekten wie einer größe­

ren Arbeitszeitsouveränität können

auch negative Folgen wie verlänger­

te Arbeitszeiten, weniger Pausen und

eine damit einhergehende Überschrei­

tung der eigenen Leistungsgrenzen ge­

genüberstehen. „Tele-(Heim-)Arbeit ist

weder generell zu empfehlen noch ge­

nerell abzulehnen. Es kommt auf die

Umstände an“, fasst Dr. Hiltraut Pari­

don vom IAG die Ergebnisse zusam­

men. „Diese legen einerseits nahe,

den Umfang dieser Arbeitsform ein­

zuschränken, um mangelnde sozia­

le Unterstützung und verringerte Kar­

rieremöglichkeiten zu vermeiden.

Andererseits wird erst ab einem gewis­

sen Ausmaß mehr Flexibilität und Au­

tonomie erlebt“, so die Wissenschaft­

lerin. „Es scheint auch sinnvoll zu

sein, feste Tage der Anwesenheit ein­

zuplanen“, ergänzt IAG-Mitarbeiterin

Dr. Marlen Cosmar. Da die Forschung

zu dieser Arbeitsform bisher noch

Lücken aufweist, sei eine abschließen­

de Beurteilung der Auswirkungen al­

lerdings noch nicht möglich.

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www.dguv.de/publikationen

(Bestellnummer 12282)

Arbeitsbezogene erweiterte Erreich­

barkeit ist ein Phänomen der Arbeits­

welt 4.0: Arbeit, Freizeit und Zeiträume

für zweckgebundene Tätigkeiten wie

Essen, Haushalt oder Ehrenamt wech­

seln sich ab und durchdringen sich

gegenseitig. Das Institut für Arbeit

und Gesundheit der DGUV (IAG), das

sich seit Längerem mit diesem The­

ma befasst, arbeitet aktuell an ei­

ner Studie der Initiative Gesundheit

und Arbeit (iga) mit. Diese untersucht

Beanspruchungsfolgen, die sich aus

einer unregulierten Verfügbarkeit für

die Erwerbsarbeit in anderen Lebens­

bereichen ergeben, und liefert erste

Präventionskonzepte. In der iga ko­

operieren DGUV, BKK-Dachverband,

AOK-Bundesverband sowie der Ver­

band der Ersatzkassen (vdek) bei der

Prävention und der betrieblichen

Gesundheitsförderung.

Erreichbar Beschäftigte sind weni-

ger erholungsfähig

„Ständige Erreichbarkeit ist eine zu­

sätzliche Belastung zur eigentlichen

Arbeitstätigkeit“, so Dr. Hiltraut Pari­

don vom IAG. „Sie kann dazu führen,

dass Erholungsprozesse unterbrochen

oder verkürzt werden.“ Auch die Er­

wartung, dass man für dienstliche Be­

lange außerhalb der regulären Arbeits­

zeit kontaktiert werden könnte, führe

zu einer ungenügenden Distanzierung

von der Arbeit. „Die Studie zeigt,

dass Beschäftigte, die immer erreich­

bar sind, verstärkt unter negativen

Beanspruchungsfolgenwie Erholungs­

unfähigkeit und schlechtem Schlaf lei­

den.“ Die Präventionskonzepte müss­

ten Maßnahmen umfassen, die auf die

Gestaltung gesundheitsförderlicher

Strukturen und Rahmenbedingungen

abzielen sowie gesundheitsgerechte

Verhaltensweisen fördern. Allgemein­

gültige Antworten zum guten Umgang

mit digitalen Medien im Arbeitsleben

gebe es aber noch nicht, so Paridon:

„Die aktive Gestaltung einer digita­

len Kultur ist eine Gemeinschafts­

aufgabe.“

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www.iga-info.de

> Veröffentlichun-

gen > iga.Reporte

DGUV Jahrbuch 2015/16

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Zukunft der Arbeit