WelcheChancen, aber auchwelcheRi-
siken sehen Sie auf Beschäftigte und
Unternehmen durch die sichwandeln-
den Arbeitsverhältnisse zukommen?
Wenn wir jetzt die Weichen richtig stel
len, dann sind das Arbeiten 4.0 und
die Digitalisierung eine große Chan
ce. Wir haben ein riesiges Potenzial
für Innovationen und Verbesserungen
bei der Arbeitsorganisation, die auch
im Sinne der Beschäftigten ist. In vie
len Unternehmen habe ich schon gute
Lösungen gesehen. Zum Beispiel indi
viduelle Vereinbarungen bei der Wahl
von Arbeitszeit und Arbeitsort, die
den Beschäftigten enorm helfen, Be
ruf und Privatleben besser zu verein
baren.
Wir dürfen aber auch nicht aus den
Augen verlieren, dass die Verände
rungen für viele Menschen Stress be
deuten. Manche haben Angst, ob sie
künftig noch mithalten können. Da
her müssen wir die Menschen in die
ser Transformation begleiten und Ri
siken minimieren. Dazu müssen wir
kontinuierlich den Arbeitsschutz mo
dernisieren, es bedarf aber auch neuer
Angebote sozialer Absicherung und In
vestitionen in die Weiterbildung.
Arbeiten wo und wann man will –
Homeoffice oder andere mobile Ar-
beitsplätze scheinen die Präsenzkul-
tur in Unternehmen nach und nach
abzulösen. Wie kann orts- und zeit
flexibles digitales Arbeiten so gestal-
tet werden, dass die Betriebe und die
Beschäftigten dabei gewinnen?
Wir brauchen mehr Flexibilität, aber
auch neue Sicherheiten. Im Dialog Ar
beiten 4.0 hat sich herausgestellt, dass
einige statt der Tageshöchstarbeitszeit
eine Umstellung auf wöchentliche
Höchstarbeitszeiten wollen. Ande
re wollen neue Grenzen ziehen, etwa
ein Recht auf Nichterreichbarkeit.
Durch den technologischen Wandel
gewinnen wir Spielräume. Ich will,
dass wir die nutzen für eine stärker
lebensphasenorientierte Wahlarbeits
zeit, um die Vereinbarkeit von Zei
ten beruflicher und privater Entwick
lung zu fördern. Das Arbeitszeitgesetz
wird auch in Zukunft zum Schutz der
Arbeitnehmer unverzichtbar sein. In
der digitalisierten Welt brauchen wir
aber passgenauere Lösungen für die
Arbeitszeitgestaltung. Grundsätzlich
wünsche ich mir, dass so viele Lösun
gen wie möglich direkt in den Betrie
ben gefunden werden. Die wissen am
besten, was sie brauchen.
Wo sehen Sie die Politik besonders ge-
fordert? Mit welchen gesetzlichen Re-
gelungenkanndieEntwicklungpositiv
unterstützt werden?
Wir brauchen insgesamt einen neuen
Flexibilitätskompromiss, bei dem wir
neue Sicherheiten mit mehr Flexibili
tät für Betriebe und Beschäftigte zu
sammenbringen. Die Rolle der Politik
und meine Rolle sehe ich darin, diesen
Wandel aktiv zu gestalten: Ziel muss es
sein, ein kluges Ineinandergreifen von
verbindlichen gesetzlichen Standards
und tariflichen und betrieblichen Ver
einbarungen zu schaffen. Wie das
funktionieren kann, diskutieren wir
im Fortschrittsdialog Arbeiten 4.0 mit
allen Beteiligten wie Sozialpartnern,
wissenschaftlichen Experten und Ver
tretern von Verbänden.
Wie sehen Sie die Rolle der gesetz
lichen Unfallversicherung beim Um-
gangmit demWandel der Arbeitswelt?
Mir ist wichtig: Es muss auch künf
tig einen wirksamen Rahmen für Ar
beits- und Gesundheitsschutz geben.
Arbeitsbedingte Erkrankungen und
Unfälle müssen verhindert oder zu
mindest weiter vermindert werden.
Dazu muss sich der Arbeits- und Ge
sundheitsschutz aktuellen Verände
rungen anpassen. Wir müssen noch
besser verstehen, welche Risiken sich
durch neue Techniken und Verände
rungen in den Arbeitsprozessen er
geben. Zu diesen Themen führt das
BMAS schon derzeit zum Beispiel in
der Gemeinsamen Deutschen Arbeits
schutzstrategie einen aktiven Aus
tausch mit allen, die im Arbeitsschutz
Verantwortung tragen.
Mobile Arbeitsformen
nehmen immer stärker zu.
„Bildung und
Qualifizierung
sind der Schlüssel
für den Erfolg von
Unternehmen und
Beschäftigten.“
DGUV Jahrbuch 2015/16
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Zukunft der Arbeit




