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Arbeiten 4.0 und Berufskrankheiten

Verändert die Digitalisierung das Berufskrankheiten-Geschehen?

L

ärmschwerhörigkeit gehört zu den

am häufigsten anerkannten Berufs­

krankheiten. Die Digitalisierung kann

die Prävention unterstützen: So gibt

es bereits Unternehmen, die Roboter

für Tätigkeiten an Lärmarbeitsplät­

zen einsetzen. Langfristig betrachtet

könnten also flexible, selbstlernende

und autonome Systeme, die gesund­

heitsschädigende oder gefährliche

Arbeiten für den Menschen überneh­

men, das Berufskrankheiten-Gesche­

hen positiv beeinflussen. Doch die

digitalisierte Arbeitswelt birgt auch

Gefahren: So müssen zum Beispiel

mögliche gesundheitsschädigende

Wirkungen beim Einsatz von inno­

vativen Fertigungstechnologien wie

3D-Drucker ausreichend erforscht

werden.

Flexibilisierung von Arbeit – eine

Herausforderung

Die Arbeitsverdichtung sowie schwim­

mende Grenzen zwischen Arbeit und

Freizeit können sich negativ auf die Si­

cherheit und Gesundheit von Beschäf­

tigten auswirken. Die Frage ist, wie

sich zum Beispiel Einwirkungen und

Belastungen, die intermittierend –

also mit längeren Pausen – auftreten,

ermitteln und dokumentieren lassen.

Und welche Erkrankungen werden

durch konkrete berufliche Tätigkeiten

wesentlich verursacht? Fragen wer­

fen auch die neuen Formen freier Tä­

tigkeit wie Solo-Selbstständigkeit auf:

Diese orientieren sich nicht an den

klassischen Kriterien eines sozialver­

sicherungspflichtigen Beschäftigungs­

verhältnisses. Zu klären ist, welche

Merkmale künftig darüber entschei­

den sollen, wer in Deutschland unter

dem Schutz der gesetzlichen Unfall­

versicherung steht. Ob diese für ein­

getretene Unfälle und Krankheiten in

Anspruch genommen werden kann,

hängt auch von der Beantwortung der

Fragen ab.

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www.dguv.de

(Webcode: d1296)

Die Zukunft hat begonnen

Das „Internet der Dinge“ verändert Prüfung, Zertifizierung und Normung

Nichts zum Essen daheim? Der intel­

ligente Kühlschrank merkt, wenn et­

was fehlt, bestellt es im Internet und

veranlasst die pünktliche Lieferung.

Kühlschrank, Heizung, Auto: Alle

denkbaren elektronischen Gegen­

stände können durch integrierte Com­

puter zu intelligenten Dingen wer­

den, die miteinander kommunizieren.

Durch das „Internet der Dinge“ entste­

hen neue Geschäftsmodelle, Arbeits­

formen und Berufsbilder – mit Folgen

für die Prävention. Diese muss Gefähr­

dungen neu identifizieren und Risi­

ken neu bewerten. Die bei der Berufs­

genossenschaft Nahrungsmittel und

Gastgewerbe (BGN) angesiedelte Prüf-

und Zertifizierungsstelle im DGUV

Test entwickelt dazu neue Methoden,

Verfahren und Messgeräte. Bei einem

Zukunftsworkshop haben sich Prä­

ventionsfachleute mit den Herausfor­

derungen in der Maschinensicherheit

im Zeitalter von Industrie 4.0 befasst

und Thesen zum Prüfen und Zertifizie­

ren in der Arbeitswelt formuliert. Dazu

gehört unter anderem, dass Hersteller

von Maschinen und Geräten bei der

Integration von Arbeitssicherheit und

Gesundheitsschutz in der Umsetzung

von Industrie 4.0 begleitet werden.

Klare Regeln für die Normung

Allerdings ist es bislang so, dass Lö­

sungen für Industrie 4.0 sehr spezi­

fisch und nicht auf andere Systeme

übertragbar sind. Damit diese Insellö­

sungen zu Komplettlösungen werden,

bedarf es Standards und Normen. Nor­

mung trägt zu einheitlichen Regeln

und sicheren Arbeitsmitteln bei. Au­

ßerdem expandiert sie: Auch arbeits­

schutzrelevante Dienstleistungen,

Qualifikationen sowie betriebliche Ab­

läufe in den Unternehmen werden im­

mer häufiger genormt. Ein Grundsatz­

papier vom 6. Januar 2015, das unter

Mitwirkung der gesetzlichen Unfall­

versicherung und der Geschäftsstel­

le der Kommission für Arbeitsschutz

und Normung (KAN) entstanden

ist, regelt nun, welche neuen Norm­

projekte für den Arbeitsschutz zuläs­

sig und sinnvoll sind. Es betont den

Vorrang von Vorschriften und Regeln

des Staates und der Unfallversiche­

rungsträger. Damit wird das Verhält­

nis von Normung und betrieblichem

Arbeitsschutz weiter konkretisiert –

ein Meilenstein auf demWeg zu einem

modernen, einheitlichen Vorschrif­

ten- und Regelwerk auch in Zeiten von

Industrie 4.0.

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www.dguv.de

(Webcodes: d1087143

und d123763)

DGUV Jahrbuch 2015/16

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Zukunft der Arbeit