Previous Page  20 / 60 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 20 / 60 Next Page
Page Background

Für sichere und

gesunde Arbeit weltweit

Die DGUV kooperiert mit internationalen Organisationen und Institutionen

D

as Handeln der Deutschen

Gesetzlichen Unfallversiche­

rung endet nicht etwa, wie ihr

Name vermuten lässt, an den Grenzen

Deutschlands, sondern geht weit über

diese hinaus. Die DGUV setzt sich

weltweit für Sicherheit und Gesund­

heit bei der Arbeit ein. Im Fokus der

Kooperationen stehen Wissenstrans­

fer und persönlicher Austausch, um

aus den Erfahrungen anderer Syste­

me der Unfallversicherung und des

Arbeitsschutzes zu lernen und die ei­

gene Expertise weiterzugeben.

Häufig handelt es sich bei den Ko­

operationspartnern um BRICS-Staa­

ten und Entwicklungsländer, die bis­

lang über kein oder ein im Aufbau

befindliches Unfallversicherungs- und

Arbeitsschutzsystem verfügen. Gera­

de hier ist das umfassende Know-how

der deutschen Unfallversicherung von

der Prävention über die Rehabilitati­

on bis zur Versicherungsleistung bei

Arbeitsunfällen und Berufskrankhei­

ten gefragt. Hinzu kommt auch noch

ein weiterer Aspekt, wie DGUV Haupt­

geschäftsführer Dr. Joachim Breuer er­

klärt: „Als Endkonsumenten liegt es

in unserer Verantwortung, sich dafür

einzusetzen, dass Lieferketten nach­

haltig gestaltet und Produkte unter ge­

sunden, sicheren Bedingungen herge­

stellt werden.“

Bangladesch

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das

Engagement in Bangladesch. Seit 2014

unterstützt die DGUV Bangladesch bei

der Einführung einer gesetzlichen Un­

fallversicherung. Seit dem tragischen

Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza

imApril 2013, bei dem etwa 1.100 Men­

schen getötet und über 2.000 verletzt

wurden, stehen die Arbeitsbedingun­

gen der bangladeschischen Industrie

im Fokus der internationalen Öffent­

lichkeit. Zahlreiche Initiativen wur­

den gestartet, um die Zustände für

die Arbeiterinnen und Arbeiter, ins­

besondere in der Textilindustrie, zu

verbessern.

Eine von ihnen ist der G7 Vision Zero

Fund, ein von den G7 im Juni 2015 be­

schlossener Fonds, mit dessen Hilfe

weltweit Sicherheit und Gesundheits­

schutz bei der Arbeit gestärkt wer­

den sollen. Mit den Geldern aus dem

Fonds sollen nachhaltige globale Lie­

ferketten aufgebaut und Verletzun­

gen oder Todesfälle am Arbeitsplatz

verhindert werden. Die DGUV hatte

sich durch konkrete Initiativen und

Vorschläge bei der Entwicklung des

Fonds eingebracht.

Vor diesem Hintergrund kamen im

August 2015 und April 2016 banglade­

schische Delegationen mit Vertretern

aus Politik, Regierung sowie von Ar­

beitgebern und Arbeitnehmern zu Be­

such nach Deutschland. In mehrwö­

chigen Seminaren, die vom Institut

für Arbeit und Gesundheit der Deut­

schen Gesetzlichen Unfallversiche­

rung (IAG) organisiert und zusammen

mit mehreren Kooperationspartnern

durchgeführt wurden, lernte die De­

legation die Strukturen der deutschen

gesetzlichen Unfallversicherung ken­

nen, erlebte den sozialen Dialog in

Deutschland mit und erhielt bei der

Besichtigung von Betrieben Einblicke

in die Praxis von Arbeitsschutz und

Sozialpartnerschaft.

Diesen Besuchen gingen Koopera­

tionsvereinbarungen voraus, die die

DGUV, das Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung (BMZ), die Deutsche Ge­

sellschaft für Internationale Zusam­

menarbeit (GIZ) und die Internationa­

le Arbeitsorganisation (ILO) mit dem

bangladeschischen Arbeitsministe­

rium (MoLE) in den Jahren 2014 und

2015 abgeschlossen hatten. In diesem

Rahmen erhielten beispielsweise drei

bangladeschische Studierende ein Sti­

pendium für den Studiengang Sozial­

versicherungswissenschaften an der

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Internationale Qualifizierung

Die Ausbildung und Qualifizierung ist

neben dem fachlichen und persönli­

chen Austausch ein zentraler Baustein

der internationalen Kooperationen.

Eine wichtige Rolle kommt dabei dem

Institut für Arbeit und Gesundheit der

DGUV (IAG) zu. Dieses bietet Seminare

zur internationalen Qualifizierung an

und bildet damit internationale Fach­

kräfte aus, die das gewonnene Wis­

sen zum Ausbau der Strukturen von

„Als Endkonsu­

menten liegt es in

unserer Verantwor­

tung, sich dafür

einzusetzen, dass

Lieferketten nach­

haltig gestaltet und

Produkte unter

gesunden, sicheren

Bedingungen her­

gestellt werden.“

Positionsbestimmung

20

DGUV Jahrbuch 2015/16